

Eine Postkarte an seine Mutter vom 23. August 1972, einem Mittwoch - Bernds letztes Lebenszeichen. Die Karte schickte er aus der Bucht von Les Lecques - La Ciotat an der Cote d'Azur ab.
Bei dieser Nachricht stellt sich die Frage, warum sich Bernd am 26. Aug. bei Rosas, Costa Brava, befindet. Es liegen ca. 470 km dazwischen, und die Route für die Heimreise führt in eine andere Richtung.





Hier schwimmt Bernd mit seinem Scooter vor der Cala Joncóls, der Bucht, von der er nach den Beschreibungen des befreundeten Ehepaars B. aus Perpignan zu seinem letzten Tauchgang aufgebrochen ist.



Dieses Bild befand sich in Bernds Nachlass. Hannelore und Achim Böttger stellten bei ihrem Besuch in Spanien fest, dass es auf dem Parkplatz des weltbekannten Restaurants "El Bulli" in der Cala Muntjoi aufgenommen wurde. Bernd ist hier mit der deutschen Besitzer-Familie S., deren französi-scher Dogge (Namensgeber des Restaurants) sowie Bediensteten des Restaurants zu sehen.
Aus einem Brief der Frau B. aus Perpignan ist zu erfahren, dass Bernd von dieser deutschen Familie eingeladen worden sei. Es gelang Achim nicht, anhand des gut sichtbaren Auto-Kennzeichens (ein damals übliches Zoll- und Ausfuhr-Kennzeichen) den damaligen Halter des Fahrzeugs zu erfahren.
Das ist das Restaurant "El Bulli" in der Cala Muntjoi 1992 vom Meer aus gesehen



Äußerst
nebulös bleiben die Fakten um den 1971 im Nebenzimmer der Pension von
Bernd Böttger in Pinneberg eingezogenen jungen Mann. Er hatte bei der
Flüchtlingsaufnahme in Gießen angegeben, dass er
- vorher in einer NVA-Spezialeinheit für Sabotage hinter der Front gewesen,
dort aber in
Unehren entlassen worden sei
- und bereits vorher schon einen gescheiterten Fluchtversuch über Ungarn
unternommen
hätte, der mit Verhaftung endete und ohne Konsequenzen geblieben
war!!!.
Bereits 14 Tage nach seinem Einzug besuchte ihn sein Vater aus der DDR!!!
Im Rahmen der staatsanwaltlichen Ermittlungen zum Mord an Bernd Böttger wurde diese Person ermittelt und mehrfach vernommen. In diesen Vernehmungen ergaben sich sehr deutliche Anhaltspunkte für einen Identitätswandel, weil der Mann viele Fakten total anders erzählte und auch die ehemalige Vermieterin in wiederholten Befragungen und einer Gegenüberstellung der absoluten Überzeugung war, dass es sich bei diesem Mann nicht um den handelte, der seinerzeit bei ihr wohnte. Es waren zahlreiche und eklatante Widersprüche in seinen Aussagen festzustellen.
Seitens der ermittelnden Staatsanwaltschaft wurden diese Fakten ignoriert und als gegenstandslos abgetan. So drängt sich auch für Achim Böttger in allen anderen dokumentierten Vorgängen der Eindruck auf, dass die in dieser Angelegenheit ermittelnde Staatsanwaltschaft vordringlich bemüht war, den Vorgang klein zu halten, um ihn schnellstmöglich zu den Akten legen zu können.
Beispiel: Bei den Schilderungen der Hergänge um den Tod Bernd Böttgers bieten sich definitiv Ermittlungen und Befragungen Beteiligter vor Ort in Frankreich und Spanien an, aber das wird unterlassen. Dementgegen führt man eine ausführliche Befragung des seinerzeit für die vorliegenden Dokumente verantwortlichen Stasi-Leutnants durch und nimmt widerspruchlos seine Lüge hin, keinerlei Aktion im Westen veranlasst zu haben - nein, man nimmt diese sogar zur Grundlage für die Begründung der Einstellung weiterer Ermittlungen.





Für
Achim Böttger, den Bruder Bernd
Böttgers,
sind noch viele Fragen offen
und zahlreiche Verdachtsmomente überhaupt
noch nicht bei den erfolgten Ermittlungen
angefasst worden. Das sind unter anderem:
Warum
- das von Mielke und der HVA bekundete Interesse an dem Fall,
- der hohe Aufwand, der durch die Stasi mit westdeutschen und DDR-Kadern betrieben
wurde, um
Bernd Böttger dort auszukundschaften
- das eilige Schließen des Vorganges 1970 ohne jede nachträgliche
Spur
- das irritierende, widersprüchliche Verhalten Krügers (Bernds Nachbar
in Pinneberg) und die
offenbare Identitätsverschleierung
Ein weiteres, wichtiges Moment scheint die strafrechtliche Einschätzung
als Hochverrat zu sein,
das war ein Tatbestand, der in der DDR zur Todesstrafe reichte.
Jedoch das Allerwichtigste: Das Umfeld bei seinem Tod an der Costa Brava!
- Warum wurde es
nicht in die Ermittlungen einbezogen?
Es
tauchen immer wieder Fragen auf:
- Die Fam. B. aus Perpignan berichtet gegenüber den spanischen Behörden
und in Briefen an Bernd Böttgers Mutter, dass Bernd nach Ankunft in der
besagten Bucht sich ohne Sauerstoffgerät auf einen Tauchgang begeben
hätte, um etwas zum "Frühstück" zu fangen. Der Familienvater
wäre danach ebenfalls, jedoch mit Sauerstoffgerät, zu einem Tauchgang
aufgebrochen. Die restlichen Familienmitgleider seien auf dem Boot geblieben,
Frau B. saß am Bug und schaute auf's Wasser. Nach 30 Minuten wäre
der Vater laut schreiend an die Wasseroberfläche gekommen - er hatte
Bernd in 15 m Entfernung und 25 m Tiefe tot auf dem Meeresgrund liegend gefunden.
Warum ist denn Niemandem aufgefallen, dass Bernd nicht 30 Minuten ohne Sauerstoff
unter Wasser bleiben kann?
-
wie Bernd Böttger mit der Familie B. aus Perpignan und deren Bekannten
wohl kommuniziert haben mag - er sprachkein Wort Englisch oder Französisch.
Bei dem Besuch von Hannelore und Achim Böttger dort war kaum eine Verständigung
möglich, weil Fam. B. ihnen bedeutete,
sie sprächen nicht Deutsch. Dann aber erschien ein "Freund"
zum Dolmetschen, der sich uns als früherer deutscher Auswanderer vorstellte
und behauptete, Bernd nicht gekannt zu haben. Achim Böttger besitzt zwei
Fotos aus Bernds Nachlass, auf denen dieser Mann (20 Jahre jünger) in
Bernds Gesellschaft an der Nordsee zu sehen ist.
-
Bernd schrieb am Mittwoch, den 23.8.72 seine letzten beiden Postkarten aus
La Ciotat (bei Marseille, Cote d'Azur), eine seiner Mutter und eine anseine
Abteilung, dass sein Urlaub nun gleich zu Ende sei und er bald abreisen müsse
und am Sonntag darauf, am 27.8. liegt er tot im Meer an der Costa Brava bei
Rosas.
-
Dies sind nur wenige Beispiele der ungeklärten Fragen. Sein Bruder Achim
ist nach wie vor absolut davon überzeugt, dass hier ein Auftragsmord
durch die Staatssicherheit vorliegt, so wie das im Fall von Wolfgang Welsch
(" Ich war Staatsfeind Nr. 1: Fluchthelfer auf der Todesliste der Stasi"
- Buch von Wolfgang Welsch) nachweislich die Absicht war oder mit hoher Wahrscheinlichkeit
auch in ähnlichen Fällen, wie dem Tod des Fußballers Lutz
Eigendorf.